Köchers Kochrezept
Autor: Karl-Heinz Paqué
Umfragen sind unbestechlich. Vorausgesetzt, sie sind methodisch sauber gemacht. Beim seriösen Institut für Demoskopie Allensbach ist dies verlässlich der Fall.
Dieses Institut hat nun eine umfassende Studie zu den Chancen der FDP für eine parlamentarische Wiedergeburt vorgelegt. Renate Köcher hat es in der FAZ vorgestellt. Ergebnis: Die Chancen stehen gar nicht schlecht - und sind in den letzten Wochen besser geworden, vielleicht auch durch die tiefe Enttäuschung mit der Union in der Merz/Klingbeil-Regierung.
Warum? Zwei Gründe sprechen dafür: Zum einen sind 24 % der Befragten der Überzeugung, dass die FDP gebraucht wird, das sind 6 Prozentpunkte mehr als beim Tiefstand zum Zeitpunkt des Endes der Ampelkoalition. In den letzten 25 Jahren schwankte der Wert zwischen 18 und 41 Prozent. Jetzt steigt er wieder im Trend. Darüber hinaus sind 31 Prozent der Befragten generell der Meinung, dass es in Deutschland eine liberale Partei braucht. Von mangelndem Potential kann also nicht die Rede sein.
Zum anderen stehen die klassischen Themen der FDP rund um die Freiheit hoch um Kurs: Die Hälfte der Befragten findet, der Staat mischt sich zu sehr in das Leben der Bürger und der Wirtschaft ein - vor zehn Jahren waren dies mit 38 Prozent noch deutlich weniger.
Wichtig allerdings: Will die FDP zurück auf die politische und parlamentarische Bühne, muss sie sich genau um jene Themen kümmern, die eine Mehrheit der Befragten auch als zentrale Anliegen einer FDP erwartet: Abbau von Bürokratie (78 %), Stärkung der Wirtschaft (75 %), Schutz der Freiheit der Bürger (74 %), Senkung von Steuern und Abgaben (72 %), solide Haushaltspolitik (71 %) und Modernisierung der Verwaltung (65 %). Daneben stehen - mit deutlicher Mehrheit - der Einsatz für Freihandel und freie Märkte, niedrige Energiepreise, bessere Bildung und Wissenschaft sowie die öffentliche Sicherheit, und zwar durchaus mit konsequenter Verbrechensbekämpfung, selbst mit Kompromissen beim Datenschutz.
So einfach ist das. Genau so müssen die programmatischen Punkte der FDP aussehen, um wieder erfolgreich zu sein - mit Wolfgang Kubicki als Parteivorsitzendem, den 77 Prozent der Befragten kennen und 47 Prozent positiv bewerten, auch wenn er - vielleicht auch gerade weil er - klar Position bezieht und polarisiert.
So sieht Köchers Kochrezept für den Wiederaufstieg der FDP aus. Überzeugend. Los geht’s - gleich beim FDP-Bundesparteitag Ende Mai.